Empire
Waouuuh! Was für eine außergewöhnliche Umhüllung für eine Audio-CD. Die aus Karlsruhe stammende Band hat im Eigenvertrieb (aktuell nun auch bei Musea) als Case eine schwarze DVD-Box gewählt. Als Inhalt gibt es zum Silberling (auf dem auch ein Video zu finden ist) zwei umfangreich informativ und kunstvoll gestaltetet Booklets, mit jeweils 24 und 32 Seiten.
Und dies alles gibt es für einen regulären CD-Preis, so dass hier in Verbindung mit der optischen Qualität schon einmal gut gepunktet wurde. Natürlich war die Spannung vor dem ersten Hördurchgang entsprechend groß. Beim Studieren eines beigefügten Info-Flyers legte sich allerdings etwas Betrübnis auf meine beginnende Hörreise, da hier musikalische Einflüsse zu den französischen Bands ANGE und MAGMA genannt wurden. Leider kann ich mit deren phasenweise komplexen Kompositionen sowie dem dramatischen Gesang von Christian Decamps nicht so viel anfangen. Die weiteren genannten Einflüsse von PINK FLOYD und KLAUS SCHULZE besänftigten mich dann wieder. Das Konzeptalbum des „Lobgesanges auf das Leben“ beginnt dann auch elektronisch, sehr entspannt und melodiös, so dass der musikalische Einstieg gelungen war. Crépuscule zeigen dann auf der gut 67-minütigen Reise auf drei Longtracks (IR-16:36) / RE-17:98(?) / EL-20:17(?) sowie zwei Tracks in normaler Länge (La Mort-3:05 und Real’Eau-5:76(?) ein breit gefächertes, melodiös symphonisches Werk mit ambienten Klängen, welches durch französischen Gesang geprägt wird. Wie schon vermutet, ist der Gesang für mich der einzige Wermutstropfen dieses akustischen Kunstwerkes. Denn die Nähe zur charismatischen Stimme von Christian Decamps ist Sänger Franco Rouvinet schon gegeben. Allerdings wissen die entspannten Gesangspassagen wiederum etwas zu gefallen. Instrumentalmusikalisch stellt sich die Reise durch die „Hymne auf das Leben“ als gelungen dar. Denn die einleitenden, ruhigen Töne und sanften Melodien wandeln sich im Laufe der akustischen Reise in einen fröhlichen und besinnlichen Fluss, mit einigen Klippen und Stromschnellen, der durch farbenfrohe Landschaften fließt. Die bereichernden Tönen des Saxophonspiels von Josef Held sowie die Klänge des Akkordeons von Keyboarder Günter Kern geben den Kompositionen eine zusätzliche Würze. Bezüglich der Musiker sind hier noch Andreas Groß-Lany (Schlagzeug), Thomas Geiger (Bass, Gitarre) und Gérald Rouvinez (Gitarre) zu nennen, die zum festen Stamm der Band gehören, die in den Achtziger Jahren ihren Ursprung fand.
Beim ersten Hördurchlauf wurden bei mir öfters Assoziationen zu PINK FLOYD als auch zu den französischen, folkloristisch angehauchten Neoprogggern von SEVEN REIZH geweckt. Außerdem kamen mir Erinnerungen zu der Musik von FRIEDEMANN wie auch zu der Musik von KLAUS SCHULZE oder TANGERIN DREAM. Auch nach mehreren Hördurchläufen ließ die akustische Leuchtkraft der Töne nicht nach. Auf die Lebensgeschichte des Helden, von dem Crépuscule hier berichten, möchte ich nicht weiter eingehen, da sie für Interessierte im 24-seitigen "Seelenbuch des Dramen-Helden" auf Deutsch nachzulesen ist. Nur als Hinweis – sie ist als moderne Sage oder Fantasie-Epos erzählt und erinnert mich an "Lamb Lies Down On Broadway". Nun neugierig geworden? Dann schaut und hört doch mal im Internet bei ww.crepuscule.de hinein. VIEL SPASS!
Wolfram Ehrhardt
