eclipsed Nr. 91
Artverwandt: Ange; Klaus Schulze; Genesis; Ping Floyd
Diese Karlsruher Formation stellt gleich aus mehreren Gründen eine Ausnahmeerscheinung dar: Ihr Frontmann Franco Rouvinet singt französisch ('Weil es die Sprache der Liebe ist.'), sie veröffentlicht ihre Debüt-CD im DVD-Case und bringt das Kunststück fertig, Ange'sche Theatralik mit epischem Artrock und Elektronik à la Berliner Schule zu einem stimmigen Konzeptwerk zu verbinden.
Rouvinets ausdrucksstarker, variabler Gesang orientiert sich an Christian Decamps' mitreißendem Vortrag, ohne ihn zu kopieren, Günther Kern steuert ambiente und symphonische Klänge aus den Tasteninstrumenten bei, und Gérald Rouvinez überzeugt mit akustischer wie elektrischer Gitarre, womit er auch verträumten Genesis-Klangwelten huldigt. Gelegentliche Sax- und Akkordeon-Intermezzi geben der symphonischen Klangreise des Quintetts zusätzliche Würze. Weder in den drei Longtracks (16 bis 20 Minuten), noch in den beiden kürzeren Stücken kommt auch nur für eine Sekunde Langeweile auf, obwohl es auf insgesamt 67 Minuten keinerlei Gefrickel gibt. Zwei liebevoll gestaltete Booklets (eins mit Songtexten und Bildern zur Musik, ein „Seelenbuch des Dramen-Helden") runden das Konzept ab. Einziger Wermutstropfen: der Plot, der stark an „The Lamb Lies Down" oder IQs „Subterranea" erinnert. Doch das tut dem ambitionierten Kopfkino von Crépuscule keinen Abbruch
Joe Asmodo
