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Abend der Überzeugungstäter

Gepflegter Anachronismus mit Crépuscule & Co im Substage
Eigentlich ist die große Welle des bombastischen Artrock vor 30 Jahren an den Klippen des ruppigen, bewusst simplen Punk gebrochen. Doch der himmelhoch aufgetürmten Elfenbeintürme aus Klang, sprich: viertelstündigen Rockepen mit vertrackten Arrangements, erlebten nach der Blütezeit von Bands wie Yes oder den frühen Genesis eine Renaissance in der 80ern, nicht zuletzt durch den damaligen Erfolg von Marillion.

Und weil der Weltgeist offenbar ein Gespür für Timing-Pointen hat, gab es nun einen Tag nach dem Karlsruher Gastspiel von Ex-Marillion Fish die Rückkehr zweier in eben dieser Zeit wurzelnden Regionalbands zu erleben: Im Substage stellten Crépuscule nach 22 Jahren Bandexistenz ihre Debüt-CD vor, als Opener spielten die vor anderthalb Jahrzehnten aufgelösten Purple Haze, die ihre 70-minütigen Reunion für eine Live-CD mitschnitten.

… Die Band um die Brüder Franco und Gérald Rouvinez (Gesang, Gitarre) bringt den opulentesten und zugleich weichsten Klang des Abends auf die Bühne. Enorm keyboardlastig sind die ineinander fließenden Kompostionen des Konzeptalbums "L’hymne à la vie", das eine Lebensreise und eine Auseinandersetzung mit Ritualen, bzw. deren fehlen in der heutigen Gesellschaft thematisiert. Musikalische Akzente setzt neben den orchestral-psychedelischen Sounds von Günter Kern noch der virtuose Bassist Thomas Geiger, der mitunter dank Effektgerät auch die Lücke der fehlenden Rockgitarre füllt. Dass sich Gérald Rouvinez mit eher dezenten Akustikgitarrenparts begnügt, ist eine bewusste Entscheidung - die über 70 Konzertminuten hinweg aber dann doch nicht ganz trägt.
Franco Rouvinez (Bzw. Rouvinet, wie er sich bei Crépuscule nennt) steht erkennbar in der Tradition theatralischer Performer wie dem frühen Peter Gabriel: Mal geschminkt, mal mit verschiedenen Masken wirft er sich exaltiert in die expressionistischen französischen Texte. Doch so eindringlich sein Vortrag auch ist, si schwer fällt der inhaltliche Zugang - wo das aufwendige CD-Booklet mit Übersetzungen und Zusatztexten in die imaginäre Welt des Helden Tahayis einführt, gibt es auf der Bühne keine Ansage oder Erklärung.
Trotz des gebotenen Aufwands, zu dem auch zwei Filmeinspielungen gehören, wirkt diese Hymne ans Leben in der Live-Darbietung sehr hermetisch. Was aber auch zeigt, dass diese Band unbeirrbar ihr Ding durchzieht und nicht zusammenspielt, um irgendetwas zu verkaufen.

Andreas Jüttner

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Crépuscule

 c/o Rouvinez
 Hirschbergerstr. 15, 76139 Karlsruhe
 Tel. 0721-679928
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